Vulkaninseln im Ozean – Lanzarote, Gran Canaria, Gomera


Nach elf Monaten Liegezeit in der Marina Rubicon im Süden von Lanzarote Aufatmen, Kira von Celle segelt wieder. Zum allgemeinem Verständnis ein kurzer Rückblick. Im Dezember 2004 wurde bei mir ( Beate ) ein bösartiger Tumor diagnostiziert. Trotz Totaloperation 1998 meldete sich der Krebs nach sechs beschwerdefreien Jahren zurück. Ende Januar 2005 OP Termin in Deutschland. Ergebnis niederschmetternd. Tumor inoperabel. Es folgte eine 8wöchige Strahlen- und Chemotherapie, Nebenwirkungen inbegriffen. Ergebnis unklar.

Zwei Tage nach Beendigung der Behandlung, wir schreiben den 22.04.2005 Rückflug nach Lanzarote. Körperlich auf dem Tiefpunkt – 12 kg Gewichtsverlust, Leber- und Nierenwerte nicht im grünen Bereich. Dennoch kam eine Rehabilitationsphase in Deutschland für mich nicht in Frage. Dr. Dittus – Klinik Dr. Mager – Playa Blanca hat meine Reha betreut. Für die Kondition täglich schwimmen im traumhaften Pool auf dem Marinagelände, anfangs mit Hängen und Würgen 50m, nach 14 Tagen 1000m. Fahrradfahren mindestens 2x die Woche, anfangs knapp einen Kilometer, gesteigert auf 10km, Laufen soweit die Füße tragen. Blut-, Leber- und Nierenwerte erholten sich langsam. Im September Kontrolltermin in Deutschland und die nervenzerfetzende Frage: “Hat die Strahlen- und Chemotherapie ihr Ziel erreicht, ist der Tumor zerstört?“ Dr. Dapper, Chef der Strahlentherapie im AKH Celle, gibt Entwarnung. Seine Therapie war erfolgreich, der Tumor ist zerstört. Felsbrocken poltern von meiner Seele. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an den TO Stützpunktleiter Erhard Granicki und seine Frau Barbara, die immer ein offenes Ohr für unsere besondere Situation hatten.

Marina Rubicon – www.marinarubicon.com - email: info@marinarubicon

Standort: 28° 51,6 N / 13° 49,0 W Großzügige Steganlagen, 547 Liegeplätze für Yachten bis 70m. Tiefgang bis 7,5m. Größte Yacht, gesehen im November 2004, SY Hyperion 48m, Eigner Netscapegründer Jim Clark.

Hoher Komfort an den Schwimmstegen – Wasser, Strom 220V und 380V. Internetzugang via Wirelass LAN. Moderne, saubere Sanitäranlagen über das Marinagelände verteilt, auch wenn im August, September Hochsaison herrscht. Die Damen im Marinabüro sind die nettesten Menschen, die wir in solchen Institutionen kennengelernt haben. Freundlich, fröhlich, engagiert und super kinderlieb.

Das architektonisch reizvolle Marina Pueblo offen für Jedermann, bietet viel Abwechselung und lädt zum Bummeln ein. Das Angebot ist vielfältig, Cafes und Restaurants für die Gaumenfreuden, kleine Boutiquen für die Kaufwütigen, Tennisplätze und Swimmingpool mit Südseeflair für die Sportlichen. Das Konzept scheint anzusprechen, viele Stegplätze sind bereits verkauft. Marinagebühren für 42 Fuß - 15,00 Euro pro Tag, TO Rabatt schon abgezogen. Sicherheit wird großgeschrieben. Gezwungenermaßen aber ganz beruhigt haben wir unsere Kira im März und April für 6 Wochen alleingelassen. Die hohe und cirka 800m lange massive Mole schützt vor Sturm und Schwell und die Männer und Frauen vom Sicherheitsdienst haben rund um die Uhr ein Auge für die Yachten. Alles ist Bestens organisiert.

Haben wir Segler technische Probleme, stehen wir auch nicht im Regen. Die Firmenchefs von Waterline, - Henning Krützkamp und Kathrin Klement –sind Profis und verfügen über großes Knowhow. Mit ihrer Allroundfirma finden sie eine Lösung, egal ob Reparaturen, Wartung oder Ersatzteilbeschaffung. Internetadresse: www.waterlineyachtservice.com

Auf dem großen Werftgelände kann der Yachteigner selber arbeiten. Ein 90t Travellift bis 7m Breite, gekonnt dirigiert vom Werftchef, holt die Yachten aus dem Wasser. Kosten für 42 Fuß 160,00 €, für raus und rein. Professionell aufgebockt kostet die Platzmiete 18,00 € pro Tag. Wir haben unser Unterwasserschiff überholt, die Ruderaufhängung überprüft und die Schraube vom Muschelkalk befreit. Dank Copperbot Unterwasseranstrich reichte es aus, das Unterwasserschiff mit Hochdruck abzusprühen. Nachdem der Rumpf trocken war, haben wir ihn leicht angeschliffen, um das Kupfer zu aktivieren. Eine erfreuliche Erfahrung, wir werden unser Unterwasserschiff weiter beobachten und darüber berichten.

Yachtzubehör, Öle, Farben, Leinen, Fender, Flaggen usw. kauften wir in den Ferreterias rund um Port Naos Arrecife. Hier zwei Adressen: Efectos Navales San Gines, Avda de Naos, 20. Tel. 928 80 68 49 und Sucesores de Hermenegildo Duarte Asencion, Avda de Naos 6, Telefon 928 81 11 17.

Supermärkte für den Großeinkauf: Eurospar und Hyper Dino in Arrecife mit vielen Sonderangeboten. Für den Tagesbedarf ist das Angebot im Städtchen Playa Blanca völlig ausreichend. Hier ist es übrings noch möglich dunkles Mehl zu bunkern. Deutscher Supermarkt, Correio 41, Playa Blanca. Tel. 928 / 349285. Nachschub gibt es im gesamten Archipel nicht mehr. Einen eigenständigen Obst- Gemüsemarkt, wie in der Literatur noch erwähnt, sucht man in Arrecife vergeblich. Wurst und Fleisch sowie tiefgekühltes Gemüse haben wir beim Metzger Congelados Roper, eingekauft. Das Angebot unterscheidet sich wohltuend von den Supermärkten. Viele Gastronomen kaufen hier ein. Adresse: Hauptstraße Playa Honda , ca. 3,2 Km vom Flughafen entfernt. Tel.: 928 821 176.

Preisbeispiele: 1kg Rinderfilet tiefgekühlt 7,80 €, 500g Bohnen 0,50 €, 500gr. Buntes Gemüse 1,70 €. Den besten Ziegenkäse der Kanaren gibt es direkt von der Ziegenfarm: Queseria el Faro - Dolores Camacho - Teguise – Mozaga, Tel. 928 521 408. Email: queseiraelfaro@arrakis.es. Gasflaschen auffüllen bei DISA GAS in Port Naos, Arrecife, 3,50 € für 5 kg.

Aktivitäten 2004: Besuch der Weihnachtskrippe in Yaiza ,TO Weihnachtsfeier am 22.12. 2004, auf der heimischen Terrasse von Erhard und Barbara. Punsch, Bratäpfel mit Vanillesauce und kanarischen Leckereien. An diesen unterhaltsamen Nachmittag im Kreise der TO Yachten bei 24º C denken wir gerne zurück. 24.12.2004 Otto und Kanja von der SY Prima organisieren ein Weihnachtsessen für 18 deutsche Yachties am Hotelbüfett. Festlich eingedeckte Tafel, elegant gekleidete Menschen mit Witz und Humor und ein abwechselungsreiches Büfett verströmten eine außergewöhnliche Atmosphäre. Paella für 40 Personen auf einer alten Finca in Toau am 2. Weihnachtstag. Kreativ, improvisiert und unschlagbar gut.

Im Januar wird’s ernst, ich muß nach Deutschland und Detlev bleibt auf der Kira. Seine To do Listen lassen keine Langeweile aufkommen. Anfang März ein ungewollter Deutschland Aufenthalt auch für ihn. Meine ambulante Strahlen- und Chemotherapie lässt sich nicht alleine organisieren. Glücklich fliegen wir am 22.04.2005 zurück nach Hause auf unsere Kira. Inselerkundungsfahrten mit Leihwagen, Bus und Fahrrad. Wir entdecken Orte und Menschen abseits der Touristenströme. Black Beauty Lanzerote ist faszinierend mit seinen Vulkanlandschaften. Wir vermissen allerdings das Grün der Bäume und Sträucher. Kleinere Segeltörns mit landgestützten Freunden, Wanderungen und interessante Gespräche mit anderen TO Yachten, gespickt mit Erfahrungsaustausch, Nachhilfeunterricht, gemeinsamen Großeinkäufen und gegenseitiger Hilfestellung lassen die Tage nur so dahinfliegen. Herzlichen Dank an Horst und Bärbel von der Maccri, Dieter und Karla von der Nautica, und Jürgen und Heidi von der Satori.

Mit Heinz und Sabine von der SY Magic Life, ebenfalls auf Weltreise, liegen wir auf der gleichen Wellenlänge. Die Zwei haben schon eine dreijährige Weltumsegelung hinter sich. All ihre Erfahrungen haben sie in ihre Segelyacht- Aluminium - Schale Feltz, einfließen lassen und es nach ihren Vorstellungen gebaut und ausgebaut. Die Magic Life ist ein bemerkenswertes Schiff. Mit Heinz und Sabine geht der Gesprächsstoff nie aus. Ob über Technik (Motor, Selbststeueranlage, Windgenerator, Watermaker) Navigationsprogramme, Kommunikation (SSB und Pactor) Laptopprobleme, Koch- und Backrezepte, Einkaufsorganisation, Menschen, Länder, Abenteuer, Ankerbuchten, Häfen, Wind und Wetter, wir müssen uns gegenseitig bremsen, sonst endet jedes Treffen erst weit nach Mitternacht. Wir genießen noch die gemeinsame Zeit, denn in der Karibik trennen sich unsere Wege. Nächster Treff unbekannt, aber wir wissen, dass sich unsere Wege auf den Weltmeeren irgendwo, irgendwann kreuzen werden.

Ende August Kinderalarm an Bord der Kira. Gloria, unsere Enkelin fast 5 Jahre alt ist für 14 Tage Crewmitglied. Segeln, Dinghifahren, schwimmen, Sandburgen bauen, laufen, spielen, Knoten üben, Fische füttern, Bunjee- Trambolinspringen, einkaufen, kochen, malen, vorlesen. Aktivitäten von 8:00 Uhr bis 20:00 Uhr, wir kommen ganz schön ins Schwitzen.. Diese Kinderzeit werden wir wiederholen, denn alle hatten wir viel Spaß und Gloria hat nicht nur Schwimmen gelernt, sondern bewegt sich auf dem Schiff so gekonnt und sicher, das längere Törns geplant werden können. Ihre „Knotenstunde“ im Kindergarten finden begeisterte Anhänger.

Ab 17.09. 2005 wird es Ernst, wir bereiten uns auf unsere Weiterreise vor. Aus dem Hausboot muß wieder eine Segelyacht werden. Riggcheck, Technikcheck, Segel auspacken, Persenninge verstauen, Schoten anschlagen, Lifelines spannen, unter Deck alles fest stauen und sichern. Wetter via Pactor einholen, Wassertanks auffüllen und Abschied nehmen. Am 20.09.2005 legen wir ab. Unser erster Segelschlag von Lanzarote nach Las Palmas auf Gran Canaria war gewöhnungsbedürftig. Nach 11 Monaten Liegezeit musste sich der Körper auf die Schaukelei erst wieder einstellen. Die Arbeiten unter Deck haben wir auf das Nötigste reduziert, denn das mulmige Gefühl in der Magengegend war nicht gerade berauschend. Nach 17 Stunden unter Segeln, ohne besondere Vorkommnisse, haben wir im Yachthafen von Las Palmas festgemacht. Hier haben wir die Magic Life mit Sabine und Heinz wieder getroffen, die uns einen Liegeplatz im Club Maritimo Varadero organisiert haben. Steg 12 gehört dem Club. Ein abgeschlossenes Gelände mit Clubhaus, einer Bar im Innenhof, sauberen und gepflegten Sanitäranlagen, Sauna und Schwimmbad und „Mister Prodencio“ unterm Sonnenschirm auf Steg 12, es könnte ja jemand versuchen, ohne Erlaubnis anzulegen. Als Kurzzeitlieger bestehen keine Möglichkeiten einen der begehrten Stegplätze zu ergattern. Kosten für einen Monat 420, 00 €.

Die Hauptstadt Las Palmas mit seinen 500.000 Einwohnern ist eine Großstadt, die scheinbar nicht schläft. Wenn die Geschäfte um 22:00 Uhr schließen, füllen sich die Bars und Restaurants. Man gewinnt den Eindruck , das die Kanaren die Gemeinschaft lieben und sich in ihren Wohnungen nur zum Schlafen aufhalten. Die kleinen Kinder sind immer dabei und wuseln zwischen den Erwachsenen herum. Kein Geschrei, kein Gemecker einfach erstaunlich.

Sonntags zwischen 11:45 Uhr und 13:45 Uhr trifft man sich im Parque Doramas zu kanarischer Folklore. Die landestypischen Volkstänze werden von einfachen Liedern der Inseln begleitet. Die Tänzer und Tänzerinnen und die Musiker sind Profis. Die aufwändigen Trachten, die stimmgewaltigen Sänger und Sängerinnen ein Ohren- und Augenschmaus. Immer Dienstags ist ab 18:00 Uhr Seglertreff im Match Cup. Für uns ein Pflichttermin, um mit den anderen in Kontakt zu bleiben. Hier werden die neuesten Nachrichten ausgetauscht, Pläne geschmiedet, Tipps und Tricks weitergegeben und über das Woher und Wohin philosophiert. Auf den Kanaren scheiden sich die Geister, einige Segler bleiben im Revier, andere segeln zurück ins Mittelmeer oder an die Algarve und wieder andere ziehen wie die Zugvögel nach Brasilien oder in die Karibik.

Für Lebensmittel und für den täglichen Bedarf gibt es gigantische Einkaufstempel. Sie haben die Größenordung von Großhandelshäusern, wie Metro, in Deutschland. Carrefour – www. Carrefour.es, ist so eine Schatzkiste. Neben den vielen Supermärkten gibt es auch einen Mercado muncipal. Adresse: Nestor de la Torre, Las Palmas, Öffnungszeiten bis 14:00 Uhr. Obst, Gemüse, Fleisch, Geflügel, Fisch zu bezahlbaren Preisen. Gasflaschen auffüllen bei DISA in Telde. Route Las Palmas Richtung Telde, aber Achtung an der Ortsausfahrt Telde vorbeifahren und in Las Salinas Ausfahrt Nr.12 runter und ins Gewerbegebiet an der Wasserseite. Anmelden, Parken, Gasflaschen abgeben, je 3,50 € für fünf Kilo bezahlen und 10 Minuten später die gefüllten Flaschen wieder einladen. Wir haben die Möglichkeiten der Großstadt genutzt und Kira für die Atlantikreise voll gebunkert.

Mit der Crew der Segelyacht „Magic Life“ Sabine und Heinz haben wir eine zweitägige Inselrundfahrt unternommen. Im Süden der Insel sind die großen Sanddünen und langen Strände und die Touristenhochburgen – Maspalomas, Playa de Ingles und San Augustin. Im Südwesten haben wir den Yachthäfen Puerto Mogan, mein Starthafen zur Atlantiküberquerung 1992, Pasito Blanco und Puerto Rico einen Besuch abgestattet. Der Fischereihafen Arguineguin , Starthafen Atlantiküberquerung 1989, wird von Seglern kaum noch angelaufen. Die hässliche Zementfabrik mit ihren Abwassern und dem permanenten Rauch sind keine Erbauung, die Appartementhäuser auch nicht. Wir sind mit unserer Endscheidung, die Kira in Las Palmas an den Steg zu legen, glücklich und zufrieden

Die Westküste von Gran Canaria präsentiert sich mit ihren bis zu 1000m steil ins Meer abfallenden Felsabbrüchen abenteuerlich. Hier gibt es kaum noch Touristen, die Straßenverhältnisse und die tiefen Schluchten erfordern beim Autofahren größte Aufmerksamkeit und nach Einbruch der Dunkelheit sollte man dort schon gar nicht mehr rumkurven. Im Landesinneren ist die Insel grün und wird landwirtschaftlich genutzt. Die kleinen Dörfer und Städtchen bieten den alternativen Tourismus – Leben als Selbstversorger in restaurierten Bauernhäusern. Um sich mit den Einheimischen in den Kneipen und auf den Plätzen zu unterhalten sind Spanischkenntnisse erforderlich.